Die fehlerhafte Verarbeitung der Wiederholung!

Die fehlerhafte Verarbeitung der Wiederholung!

Wenn ich einen Text verfasse, dann schreibe ich diesen erst einmal ohne einen Blick auf grammatikalische oder orthografische Fehler zu werfen. Meine Finger tanzen über die Tastatur, die Gedanken fließen, manchmal schneller als die Hände. Doch wenn ich einige Wochen nach der Entstehung des Textes die erste, zweite ja mehrfache Korrektur vornehme, sehe ich vielleicht noch einen Kommafehler, vielleicht auch einen Buchstabendreher. Ich bin stolz auf mich, dass ich es diesmal offensichtlich geschafft habe, meinen Text fehlerfrei abzugeben und mir fällt ein Stein vom Herzen. Anschließend gelangt der Text zu einem Lektor. Einige Tage später erhalte ich den Text zurück und da sind sie auf einmal: Mein vormals fehlerfreier Text strotzt nur so vor Kommentaren, Korrekturen und der alt bekannten Aussage: „Dieser Satz ergibt keinen Sinn. – Bitte nochmals überarbeiten“.


Die Falle der Sinnestäuschungen

Die Realität holt mich ein und ich weiß, dass der bekannte Fehlerteufel ein ständiger Begleiter ist, der versucht mich jederzeit zu verführen und es wieder einmal geschafft hat.
Doch mit dieser Problematik sind Personen, die sich ständig mit dem Verfassen von Texten beschäftigen, nicht allein. Es ist vielleicht doch unser eigenes Gehirn, das uns austrickst. „Ich weiß doch genau, was ich schreiben wollte!“, sage ich mir. Aus diesem Grund sehe ich nicht, was ich in Wirklichkeit geschrieben habe. Misstrauen gegenüber unserem Hirn scheint daher angebracht. Geübte Leser und Schreiber lesen nicht jeden Buchstaben, sondern nehmen Wörter als Einheit wahr, deren Bedeutung sie sofort erfassen können. Im Grunde liest man nicht, sondern setzt die Wörter sinnvoll zusammen – sie werden also erraten. Dieses als Pareidolie bekannte Phänomen beschreibt die Tendenz des menschlichen Verstandes, vertraute Dinge, die zufällig angeordnet sind, so zu ordnen, dass sie sinnvoll erscheinen. Das bedeutet, dass unser Gehirn uns in Wirklichkeit austrickst und uns Dinge suggeriert, die gar nicht vorhanden sind. Dies ist im Bereich des alltäglichen Lebens natürlich zweckmäßig, damit wir uns schnell und effektiv in unserer Umwelt orientieren können, doch die „Problematik“ erschwert den Autoren und Lektoren die Arbeit erheblich.Doch wie kann ich nun den Fehlerteufel überlisten?


Tipps für den fehlerfreien Text

1. Am wichtigsten ist, dass man genug Zeit einplant: für ungefähr 50 Din A4 Seiten beansprucht selbst ein geübter Lektor einen gesamten Arbeitstag, wobei regelmäßige Pausen das Um und Auf sind. 
2. Wichtige Hilfsmittel sind unter anderem auch die automatische Rechtschreibprüfung, welche grobe orthografischen Faux pas erkennt. Doch verlassen Sie sich nicht zur Gänze darauf. 
3. Klassische Nachschlagewerke oder amtliche Regelungen bieten eine weitere Unterstützung im Auffinden von Mängeln. 
4. Hilft dies alles nichts, ist eine gute Möglichkeit das Vier-Augen-Prinzip in Anspruch zu nehmen: sprich eine unabhängige Person korrigiert den geschrieben Text. Man kann auch einen professionellen Lektor, der sich darauf spezialisiert hat, einen Text anhand bestimmter Kriterien zu überprüfen und zu korrigieren, mit ins Boot holen.


Wobei kann ein Lektor behilflich sein?

Die Aufgaben eines Lektoren bestehen aus zwei grundlegenden Teilen: 
1. Sprachlicher Korrektorat: der Text wird unter verschiedenen Gesichtspunkten wie Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung oder Schreibstil verfeinert. Zu diesem Punkt gehört auch die einheitliche Gestaltung des Textbildes. 
2. Fachlektorat: der Wissenschaftslektor besitzt tiefgründige Fachkenntnisse zum Thema des Textes und kann so auf die genaue Verwendung der Fachbegriffe, die Terminologie und die jeweiligen Zusammenhänge achten. 
3. Arbeit am Layout: wenn es sich um einen wissenschaftlichen Text handelt, muss die Arbeit besonderen formalen Ansprüchen genügen. Die strengen Formatvorgaben einer Fachhochschule oder Universität kann man selbst während des Schreibprozesses nur bedingt im Auge behalten. Die Anpassung des Layouts kann daher einem professionellen Lektor überlassen werden. 

Wenn man sich für die Unterstützung eines Lektoren entscheidet, muss man bei der Wahl des richtigen Lektoren vorsichtig sein. Da „Lektor“ in Deutschland keine registrierte Berufszeichnung ist und somit auch keinen entsprechenden Ausbildungsrichtlinien unterliegt, muss man bei der Auswahl nach Bauchgefühl gehen. Es gibt jedoch einige Anhaltspunkte, die helfen einen Lektor einzuschätzen; zum Beispiel das Leistungsspektrum (weniger ist oft mehr), die jeweiligen Fachkenntnisse, die Transparenz im Arbeitsprozess oder auch die Wissensvermittlung bei der Zusammenarbeit. 

Nichtsdestotrotz können wir alle erleichtert sein, denn Irren ist menschlich. Das tröstet, denn der Fehlerteufel kennt nicht nur mich, sondern auch sie.