So kannst Du Tiefeninterviews durchführen

Für eine Diplomarbeit muss man stets eigene Primärforschung betreiben. Die meisten wählen die Fragebogenbefragung, weil deren Ergebnisse leicht statistisch auswertbar und gut visualisierbar scheinen. Diese Methode passt aber nicht zu jedem Thema. Es kann vorkommen, dass man sich intensiver im Thema vertiefen muss, um Gründen und Zusammenhängen nachzugehen. Dann müssen Interviews her, und zwar in Fokusgruppen oder Tiefeninterviews.


Wann sollten wir uns für ein Tiefeninterview entscheiden?

Ein Fokusgruppengespräch (8 bis 10 Personen) können wir auch mit unseren Bekannten, Freunden oder Familienmitgliedern führen. Es besteht jedoch die Gefahr, dass unsere enge Beziehung sie bei den Antworten beeinflussen kann. Ein Tiefeninterview können wir mit einem Experten des Themas durchführen, mit einem Firmenchef oder einem Buchautor, auf jeden Fall mit jemandem, der Bezug zu unserem Thema und einen Überblick darüber hat und uns mit seinen Antworten weiterhelfen kann.


Wenn es ein persönliches Gespräch nicht einzurichten ist, ….

Im Laufe eines Tiefeninterviews führen wir mit dem Befragten ein Gespräch unter vier Augen. Dieses kann auch online oder am Telefon erfolgen, wenn – wie es oft vorkommt – die betroffene Person nicht in der Nähe ist und bis zum Abgabetermin ein persönliches Gespräch nicht mehr einzurichten ist.

In diesem Fall können wir ihr unsere Fragen auch am Telefon stellen. Bei einem Telefongespräch müssen wir auf jedes Wort achten, dabei Notizen machen. Trotzdem kann es vorkommen, dass wir uns später nicht an den genauen Wortlaut erinnern können, was zu falschen Schlussfolgerungen in unserer Forschung führen kann. Bei der Online-Befragung haben wir mehr Möglichkeiten. Wir können unsere Fragen per E-Mail an die befragte Person schicken oder sie in einen Chatraum stellen. Bei letzterem Fall können die Fragen auch andere Personen sehen und beantworten, wodurch die Befragung kein persönliches Gespräch mehr ist. Eine weitere Möglichkeit ist, ein Videogespräch zu führen: dabei können wir einander in die Augen schauen, die persönlichen Reaktionen des anderen wahrnehmen. So bleibt unser Gespräch einigermaßen persönlich.


Ein persönliches Gespräch …
Aber wo?

Wenn wir Glück haben, können wir ein persönliches Treffen mit der befragten Person arrangieren. In diesen Fall haben wir zahlreiche Möglichkeiten, was die Auswahl des Ortes für das Interview betrifft. Wir können uns im Büro des befragten Experten treffen, in einem Besprechungsraum oder in einem Café, sogar in seiner Wohnung. Die Entscheidung darüber sollten wir ihm überlassen, damit er es sich bequem nach seinen Bedürfnissen und seinem Terminkalender einrichten kann. Es ist wichtig, dass wir uns an einem Ort treffen, wo wir unser Gespräch ungestört führen können. Neben dem Ort spielt bei der Wahl auch der Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Manchen fällt das Gespräch beim Essen oder bei einem Kaffee leichter.


Inhaltliche Vorbereitungen:

Am besten bereiten wir uns auf das Interview gründlich vor. Wir müssen einen Leitfaden für das Gespräch bestimmen, dem wir folgen möchten. Den sollten wir unserem Gesprächspartner mitteilen, damit er sich eventuell auch vorbereiten kann. Wir sollten für uns die wichtigsten Fragen, auf die wir unbedingt Antworten erwarten, genau formulieren. Aber wir müssen damit rechnen, dass sich aus den Antworten weitere Fragen ergeben, die das Gespräch weiterbringen können. Bei der Formulierung der Fragen sollten wir darauf achten, dass sie nicht an der Oberfläche bleiben – sonst gelangen wir nur an Informationen, die wir bereits hatten. Wir brauchen unbedingt neue Informationen zum Thema. Wir müssen auch bedenken, dass ein Tiefeninterview meistens 1,5 bis 2 Stunden lang ist, dürfen also im Gespräch nicht vom Thema abweichen.


„Technische“ Vorbereitungen:

Zum Interview sollten wir einen Notizblock mitnehmen und fleißig Notizen machen. Aber wir können natürlich nicht alles wortwörtlich festhalten. Wir können nur die wichtigsten Schlüsselwörter notieren, wichtige Aussagen festhalten, zu den Reaktionen oder der Atmosphäre des Gesprächs Bemerkungen machen. Das alles kann uns helfen, nachher das Gespräch auszuwerten. Es ist wichtig, dass wir ein Diktaphon dabei haben, oder ein anderes technisches Gerät, mit dem wir das Gespräch aufzeichnen können. Heutzutage können wir das mit den meisten Smartphones machen. Aber bevor wir auf die Aufnahmetaste drücken, müssen wir unseren Gesprächspartner unbedingt um Erlaubnis bitten. Nur wenn er einwilligt, können wir das Gespräch aufzeichnen, sonst verletzen wir seine Persönlichkeitsrechte.


Vorbereitung auf den Gesprächspartner:

Wir müssen uns aber nicht nur thematisch auf das Gespräch vorbereiten, sondern auch auf den Interviewpartner. Wir müssen über seine bisherige Laufbahn, Erfolge und jetzige Position genau Bescheid wissen. Das alles muss später in der Diplomarbeit als Einleitung zum Interview genau aufgeführt werden. Auch während des Gesprächs kann es nützlich sein, wenn wir diese Informationen aktuell im Kopf haben, zum Beispiel bei der Anrede oder der Formulierung von weiterführenden Fragen.


Über das eigene Auftreten nachdenken:

Während des Gesprächs sollten wir uns ruhig, freundlich und natürlich verhalten. Wir müssen aber auch die Initiative ergreifen, weitere Fragen und Rückfragen stellen, um Erklärung und Ergänzung bitten, wenn wir etwas nicht verstanden haben. Es ist wichtig, dass wir dem Interviewpartner während des Gesprächs genug Aufmerksamkeit widmen, und uns nicht nur in unsere Notizen vertiefen. Wir sollten unsere Fragen nicht vorlesen, sondern den Augenkontakt suchen und halten. Wir sollten auch auf unser Aussehen achten, möglichst elegant gekleidet zum Interview erscheinen, um unseren Dank auszudrücken, dass er sich Zeit für uns nimmt und uns bei unserer Diplomarbeit behilflich ist.

Viel Erfolg!