Teamarbeit: Die 6-Denkhüte-Methode

An Universitäten und Hochschulen werden die Studenten immer öfter vor die Aufgabe gestellt, im Team zu arbeiten. Die Zusammenarbeit gestaltet sich oft schwierig, da die einzelnen Teammitglieder verschiedene Vorstellungen vom Thema haben, unterschiedliche Lösungen vorschlagen und sich davon nicht abbringen lassen. Es ist noch schlimmer, wenn wegen der Passivität der anderen nur ein oder zwei Studenten die ganze Arbeit auf sich nehmen müssen. Es kann auch vorkommen, dass die Arbeit erst in der letzten Minute erledigt wird und dabei das Ergebnis unbefriedigend ausfällt. In unserem Artikel könnt ihr eine der effektivsten Methoden der Teamarbeit kennenlernen: die 6-Denkhüte-Methode.


Warum müssen wir verschiedene Hüte schwingen?

Die 6-Denkhüte-Methode ist eine kreative Technik, mit der wir die Stärken und Talente der Gruppe effektiv nutzen und Konflikten und Streitereien während der Teamarbeit vorbeugen können. Die Methode wurde von dem amerikanischen Psychologen Edward de Bono entwickelt. Der Methodik lag das von ihm erarbeitete parallele Denken zugrunde: Alle Teammitglieder sollen bei der Bearbeitung einer Aufgabe stets aus demselben Blickwindel am Diskurs teilnehmen. Die sechs farbigen Hüte stehen für verschiedene Phasen des parallelen Denkens.

Für welche Rollen und Aspekte stehen die einzelnen Hüte?

1. Der weiße Denkhut
In dieser Phase des analytischen Denkens werden Informationen zusammengetragen, die Fakten werden nüchtern und wertfrei betrachtet.(weiß – objektiv: Weiß steht für „das weiße Blatt“, das – nach sachlicher, objektiver Analyse des Themas – mit Fakten beschrieben werden soll.)

2. Der rote Denkhut
Jetzt kann aus dem Bauch heraus geredet werden, intuitiv, nicht rational, sondern emotional, sogar euphorisch. Man darf auf die innere Stimme hören und die Fakten, die zum Beispiel unter dem weißen Hut zusammengetragen wurden, so bewerten.(rot – subjektiv: Rot steht für Feuer und Wärme, für Gefühle und Meinungen, die mitgeteilt werden.)

3. Der schwarze Denkhut
Diese Phase wird durch Skepsis bestimmt: Was spricht gegen das Projekt? Wo lauern Gefahren? Objektive, nicht gefühlte Gegenargumente werden zusammengetragen.(Schwarzmalerei – kritisch: Schwarz steht für Kritik, das Aufzeigen von Problemen.)

4. Der gelbe Denkhut
Jetzt ist optimistisches Denken angesagt. Aus diesem Blickwinkel wird die Sonnenseite des Projektes aufgezeigt: Chancen werden formuliert, die Vorteile, der bestmögliche Ausgang des Projektes werden beschrieben.(sonnengelb – spekulativ, optimistisch)

5. Der grüne Denkhut
Es ist Zeit für kreative Ideen, mutige Assoziationen. Sie dürfen gerne auch verrückt sein, müssen nicht durchdacht sein und sich am Ende als nützlich erweisen. Hauptsache, sie beflügeln das gemeinsame Denken.(grün – konstruktiv: Durch neue, kreative Ideen, Assoziationen soll das Projekt „wachsen“.)

6. Der blaue Denkhut
Das ist die Phase des ordnenden Denkens. Jetzt wird Überblick über die Prozesse gewonnen, um Entscheidungen treffen zu können.(blau – der blaue Himmel: unabhängiger Überblick aufs Ganze)


So wirkt die Methode …

… und fördert die Kreativität:

Die Methode basiert auf der Einsicht, dass man sich nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren kann. Wenn einem zum Beispiel plötzlich eine neue Idee kommt, kann man sich nicht unbefangen zu den Vorteilen eines schon angenommenen Vorschlags äußern. Man kann sich auch nicht gleichzeitig sowohl mit den Vorteilen als auch mit den negativen Folgen einer Idee befassen. Die 6-Denkhüte-Methode besteht darin, dass alle Beteiligten in einer Phase „unter einem Hut“/Aspekt das Thema aus einem Blickwinkel betrachten und ihre Meinung äußern.


…. hilft bei Konflikten:

Diese kreative Technik kann auch dazu beitragen, Konflikte zu vermeiden. Der Perspektivenwechsel kann auch bewirken, dass sich die kritischen Bemerkungen eines „Nörglers“ im Team, wenn er sie in der entsprechenden Phase als „Schwarzhutträger“ vorträgt, als konstruktive Beiträge erweisen und zur Lösung beitragen können. So können die Mitglieder die Macken und Eigenarten der anderen besser ertragen und diese können sich in einem kreativen Prozess als Stärken und Talente erweisen.

… richtig durchgeführt:

Bei der Durchführung bedarf es aber gewisser Disziplin und Aufgeschlossenheit, denn nicht alle können sich gleich schnell auf dieses spielerische „Verstellen“ einstellen und die Rolle der entsprechenden Phase übernehmen. Ein übergeordneter Moderator kann für die Einhaltung der entsprechenden Rollen in den einzelnen Phasen sorgen, die Diskussion so lenken, dass sie effektiv abläuft. Die Reihenfolge der Hüte/Phasen ist im Modell nicht verankert, je nach der Aufgabe, Gruppengröße usw. gibt es verschiedene Reihenfolgevorschläge, wir können aber auch eine eigene, individuelle Reihenfolge bestimmen. Eine Veränderung der Reihenfolge kann sich auch aus den Ablauf des Gespräches ergeben. Im Laufe der Diskussion können die einzelnen Beteiligten einen bestimmten neuen Hut anfordern, wenn sie aus dem dazugehörigen Blickwinkel einen Beitrag leisten möchten. (Die jeweiligen Hüte können farbige Armbänder oder Tischkärtchen symbolisieren.)

Das Ziel der Methode ist, durch eine effektive Positionierung der Meinungen und Informationen den Weg zur Lösungsfindung/Entscheidung zu verkürzen und Konflikte während der Teamarbeit zu vermeiden.