Soziologie

Soziologie

Soziologie – das Zusammenwirken der Gesellschaft

Die Soziologie ist eine Geisteswissenschaft, die vor allem die Untersuchung von gesellschaftlichen Wirkungszusammenhängen zum Gegenstand hat. Konkret bedeutet das: Soziologie untersucht die empirischen und theoretischen Voraussetzungen (und Begründungen) sozialen Verhaltens – speziell des Zusammenlebens von Menschen unter verschiedenen Gesichtspunkten. Im Vordergrund steht hier nicht so stark das Individuum (wie es zum Beispiel in der Naturwissenschaft der Psychologie der Fall wäre), sondern die Gesellschaft als Ganzes, die Kultur, das „Milieu“ …

Die Klassiker der Soziologie

Als studierter Soziologe kommt man an Namen wie Max Weber (Prinzip der Werturteilsfreiheit, Gesinnungs- vs. Verantwortungsethik), Georg Simmel (Wechselwirkung / dynamische Beziehungen der sozialen Ordnung, Konflikttheorie) und Niklas Luhmann (vor allem: soziologische Systemtheorie) nicht vorbei. Die Soziologie bedient sich – und insofern ist sie auch heutzutage noch sehr relevant – verschiedenen hermeneutischen, aber auch empirischen, Erhebungsverfahren. Anders ausgedrückt: Quantitative und qualitative Erhebungen (Meinungsumfragen, Interviews, numerische Darstellung von Zusammenhängen …) sind Kerndisziplin der Soziologie. So sind es vor allem die modernen Verfahren der Soziologie, die uns zum Beispiel die Informationen geben, welche TV-Sender gesehen werden, welche Partei gewählt wird oder wie hoch die Chancen stehen, dass eine alleinstehende Frau samstags ins Theater geht.

Themen, Chancen und Grenzen der Geisteswissenschaft

Problematisch stellt sich jedoch häufiger die Abgrenzung des Forschungsgegenstands – das heißt dessen Loslösung aus externen Wirkungszusammenhängen – dar, denn „Gesellschaft“ agiert ja gerade nicht in einem Labor, also einem „abgegrenzten“ Raum. So kommt es in Erklärungs- und Bedeutungszusammenhängen immer wieder zu Wechselwirkungen. Ist Harvard zum Beispiel eine gute Universität, weil die Lehre extrem hochwertig ist … oder gehen die besonders talentierten Studenten aufgrund des guten Rufs nach Massachusetts? Darüber hinaus – und hier stellen sich relativ schnell diverse Schnittstellen zu anderen (Natur-)Wissenschaften ein (wie zum Beispiel der Psychologie), untersucht die Soziologie auch die Wirksamkeit von Werbung, die Wahrnehmung und Interpretation von Sachverhalten sowie „kognitive Verzerrungen“, also kollektive (oder individuelle) Fehldeutungen von Situationen. Gleichzeitig werden auch (moderne) gesellschaftliche Phänomene wie die Kunst untersucht und man kann sich als Soziologe zum Beispiel die Frage stellen, wieso ein in Formaldehyd gepackter Hai 12 Millionen Euro wert ist.

Berufschancen in der Soziologie

Die akademische Forschung ist eine wahre „Fundgrube“ für Soziologen; daher entscheiden sich viele Studierende auch für eine akademische Karriere. Doch auch politische Parteien, Meinungsforschungsinstitute oder andere akademische Einrichtungen greifen gerne auf Soziologen zurück. Auch Positionen in Beratungsunternehmen vorstellbar, die sich zum Beispiel auf die Bereiche Politik und/oder Gesellschaft fokussieren. Auch fallen natürlich Stiftungen, eingetragene Vereine oder Non-Profit-Organisationen in diesen Bereich. Ganzheitliche Wahrnehmung, das subjektive Erfassen sowie die Möglichkeit der Darstellung komplexer Wirkungszusammenhänge – und zwar empirisch und nachvollziehbar – ist die Stärke der Soziologen – und diese Fähigkeiten können multipel eingesetzt werden.

Kein Pfad für „Turbokapitalisten“

Auch wenn Soziologen mitunter zu den Akademikern mit der umfassendsten Bildung gehören und einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten: Das Studium der Soziologie ist nicht gerade dafür bekannt, dass es für eine „schnelle Karriere“ qualifiziert. Sicher, ihre individuellen Qualifikationen spielen ohnehin immer eine wichtige Rolle. Gleichwohl empfiehlt es sich für Studierende der Soziologie, schon möglichst früh berufliche Einblicke zu sammeln, zum Beispiel in Form von Praktika. Je früher man hier Erfahrungen macht, desto stärker und effektiver kann man sich spezialisieren – und so einem potenziellen neuen Arbeitgeber einen echten, spürbaren Mehrwert liefern.